Alte Automarken – Die Marke AC

Die kleine englische Marke AC hatte sich zu Beginn des Jahrhunderts durch Dreiradwagen (Auto-Carrier), in den zwanziger Jahren durch Rennfahrzeuge und in den dreißiger Jahren durch luxuriöse Sportmodelle hervorgetan. 1947 wurde die Nachkriegsproduktion im kleinen Werk in Thames Ditton mit einer vornehm-eleganten Zweiliter-Limousine wieder aufgenommen. Die Holzkonstruktion der zweitürigen Karosserie war mit Aluminiumblechen überzogen. Für den Antrieb stand eine bewährte Sechszylindermaschine zur Verfügung. Von der kurz vor dem Krieg eingeführten unabhängigen Vorderradaufhängung waren die AC-Ingenieure so wenig angetan, dass sie dem neuen Modell eine überarbeitete vordere Starrachse «mit auf den Weg» gaben. Sie war wie die Hinterachse mit Halbelliptikfedern versehen. Mit einem Prototyp wurden in den Alpen ausgedehnte Testfahrten unternommen.

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Dem Ruf sportlicher Leistungsfähigkeit wurde die den Gebrüdern Hurlock gehörende Marke allerdings nicht mehr voll gerecht. Hierzu war das Verhältnis von Leistung zu Gewicht zu ungünstig. In England genoss AC aber nach wie vor hohes Qualitätsansehen, und die Marke vermochte sich daher ohne große Änderungen durch die Jahre zu bringen. Es gab auch Cabrioletversionen, doch auch sie sprachen nur eine eher zurückhaltend oder konservativ eingestellte Käuferschaft an. Der AC 2 Litre wurde bis 1956 - stets mit vorderer Starrachse und 4 bereiten Reifen auf Alufelgen - weitergebaut, und es gab von ihm inzwischen auch eine Viertürlimousine und sogar eine holzbeplankte Station-Wagon-Ausführung.

Ace ...
Neue Impulse nach Thames Ditton brachte jedoch ein hochattraktiver Sportzweisitzer mit Aluminiumkarosserie, der AC Ace. Äußerlich war er den 1949 in Le Mans erfolgreichen Ferrari nachempfunden. Er wurde erstmals auf der Londoner Earls Court Motor Show im Herbst 1953 vorgestellt. Seine Konstruktion mit kräftigem Rohrrahmenchassis und unabhängiger Radaufhängung vorn und hinten (untere Querlenker, obenliegende Querblattfedern) ging auf den erfolgreichen Rennfahrzeug-« Bastler» John Tojeiro zurück. Angetrieben wurde der Ace vom 2-Liter-Sechszylinder, der mit drei SU-Vergasern auf 86 PS gebracht worden war. Mit einer Spitze von über 160 km/h war er schneller als die meisten übrigen Sportwagen dieser Preisklasse.

Mit dem Ace stellten sich für AC neue Rennerfolge ein. Einer der Fahrer, die dem neuen Sportzweisitzer zu Ruhm verhalfen, war der AC-Vertreter Ken Rudd. Um dem Ace ein überlegenes Kurvenverhalten zu geben, wünschte sich Rudd allerdings auch mehr Leistung. Die Lösung brachte der ab 1956 im Ace erhältliche 2-Liter-Sechszylin-der von Bristol. Dieser Motor ging zwar ebenfalls auf die Vorkriegszeit, nämlich auf den BMW 328 zurück, aber wenigstens nicht auf eine 1919 entstandene Konstruktion wie die hauseigene Maschine.

. . . und Aceca
Schon Ende 1954 war dem Ace eine Coupeversion, der Aceca, zur Seite gestellt worden. Seine Fastbacklinie erinnerte zwar an die Aston-Martin-Coupes, war aber dennoch eine Eigenschöpfung, für die AC-Direktor Alan Turner verantwortlich zeichnete. Wegen seines höheren Gewichts beschleunigte das Coupe etwas weniger kräftig als der Ace, dafür erlaubte die bessere Aerodynamik eine noch höhere Spitzengeschwindigkeit. In der Version mit Bristol-Motor konnten im obersten Schnellgang etwa 200 km/h erreicht werden. Heute ist dieses echte GT-Coupe in England übrigens ein besonders gesuchtes Sammelstück. - 1956 waren die AC mit einem Laycock-de-Normanville-Schnellgang erhältlich, und 1957 wurden sie auf Wunsch mit vorderen Scheibenbremsen geliefert. 1958 brachte AC zwei strömungsgünstig verkleidete Roadster zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Zu den Fahrern zählte der Schweizer Importeur der Marke, Hubert Patthey aus Neuenburg. Die Wagen kamen auf den 8. und den 9. Platz (Patthey/Berger). 1959 wurde gar der 7. Rang herausgefahren -eine beachtliche Leistung!

Das zweisitzige Coupe Aceca wurde Ende 1959 durch den viersitzigen Greyhound ergänzt; man trug damit dem Wunsch der Kundschaft nach mehr Transportvolumen Rechnung. Es handelte sich um eine Neukonstruktion wiederum mit Rohrrahmenchassis. Jedoch waren nun die Querblattfedern durch Schraubenfedern ersetzt worden, wobei vorn Trapez-Dreieck-Querlenker, hinten schräge Längslenker zum Einbau kamen. An Motoren standen weiterhin das 2-Liter-AC-Aggregat oder die Bristol-Maschine mit 2 oder 2,2 Liter Inhalt zur Verfügung. Doch wurden insgesamt weniger als 100 Greyhound gebaut: Die Bristol-Motoren waren bald nicht mehr erhältlich, und die AC-Motoren waren bloß noch ab Lager montiert worden - ihren Bau hatte man Mitte der fünfziger Jahre aufgegeben. Etwa fünfzig Ace und Aceca waren durch Ken Rudd noch mit Ford-Zephyr-Motoren (Ruddspeed, 2,6-Liter) ausgerüstet worden ...

Rettung für AC brachte Anfang der sechziger Jahre der amerikanische Sportfahrer und -konstrukteur Carroll Shelby, auf dessen Initiative der AC Cobra mit Ford-V8-Motor entstand.

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AC Petite (Dreirad) - Neben Sportwagen baute AC u. a. ein dreirädriges Invalidenfahrzeug mit Kunststoffkarosserie (Invacar), das in England weite Verbreitung fand. - In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre kam der AC Petite heraus, ein Kleinstauto mit 3-Rad-Konzept für jedermann. Durch die Suezkrise bekam er 1956 unerwarteten Auftrieb. Von dem 350-cm3-Einzylinderwägelchen wurden innerhalb zweier Jahre über 4000 Exemplare an den (aufs Sparen bedachten) Mann gebracht. Der AC Petite besaß eine schmale selbsttragende Leichtmetall-Coupekarosserie mit Rolldach. Die Räder - vorn Einzelrad -waren mit Schraubenfedern einzeln aufgehängt. Der für den Antrieb sorgende Villiers-l-Zylinder-2-Takt-Motor war im Heck untergebracht und gab seine Kraft über einen Keilriemen auf das 3-Gang-Getriebe ab. Der AC-«Autoroller» konkurrierte vor allem mit den Dreiradfahrzeugen von Bond und Reliant.